2024: Kiran Kamal Prasad mit Jeevika

Kiran Kamal Prasad und das von ihm gegründete Projekt Jeevika. Prasad engagiert sich in Karnataka, einem Bundesstaat im Südwesten Indiens, seit 1988 gegen Schuldknechtschaft, eine Form der Zwangsarbeit und moderner Sklaverei. „Jeevika“ steht für “Jeeta Vimukti Karnataka”, was so viel bedeutet wie “Leben ohne Schuldknechtschaft in Karnataka“.

In Indien arbeiten und leben nach Schätzungen internationaler Organisationen elf Millionen Menschen unter Sklaverei ähnlichen Bedingungen. Zwar ist die Schuldknechtschaft in Indien seit 1976 verboten, doch die Gesetze werden auf lokaler Ebene oftmals nicht umgesetzt. Schuldknechtschaft entsteht aus Armut: Die Löhne in der Landwirtschaft, in Steinbrüchen und Ziegeleien oder auf dem Bau reichen gerade für das Allernötigste. Für Medikamente, neues Saatgut oder selbst für Essen müssen die Arbeiterinnen Kredite bei privaten Geldverleihern aufnehmen. Um die Schul- den abzuzahlen, werden sie verpflichtet, in den Betrieben oder Haushalten der Geldgeber für kaum mehr als ein Taschengeld zu arbeiten. Für die Betroffenen, zumeist Dalits (ehemals „Unberührbare“) und Adivasis (Indigene), bedeutet all dies eine Spirale aus Armut und Schuldknechtschaft, der sie kaum entkommen können. Nicht selten erstreckt sich die Schuldknechtschaft faktisch auf ganze Familien inkl. Kleinkindern. Die Arbeitszeiten reichen bis zu 22 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Oft werden die Arbeiterinnen gefährlichen Tätigkeiten oder schädlichen Stoffen ausgesetzt, dürfen Haus und Hof nicht mehr verlassen, und häufig kommt es zu körperlicher Gewalt oder gar Ermordungen.

Jeevika unterstützt die Betroffenen, Abhängigkeitsstrukturen aufzubrechen und begleitet sie in den mehrjährigen Freilassungs- und Rehabilitierungsprozessen. Der Fokus liegt auf der Stärkung der Dalits und anderer am äußersten Rand der Gesellschaft lebender Gemeinschaften. Die Gleichstellung von Mann und Frau sind ein weiterer Schwerpunkt. Bereits 30.000 Menschen konnten aus der Schuldknechtschaft befreit werden, 5.000 bekamen mit der Unterstützung von Jeevika Rehabilitierungsmaßnahmen von der Regierung bewilligt.

Die Organisation ermittelt, wo Schuldknechte/-mägde arbeiten, und hilft, An- träge auf Freilassung und Rehabilitation bei der Bezirksregierung zu stellen. Die befreiten Arbeiter*innen werden ermutigt, der „Vereinigung für befreite Schuldknechte“ beizutreten, in der gegenseitige Unterstützung und regelmä- ßige Treffen ermöglicht werden. In Selbsthilfegruppen erhalten die Mitglieder Zugang zu Kleinkrediten und Beratung.

Jeevika warnt in der Öffentlichkeit vor Schuldknechtschaft. Zudem werden ehemalige Schuldknechte und -mägde befähigt, ihre grundlegenden Rechte gegenüber der Regierung einzufordern. Das Hauptziel von Jeevika sind Verän- derungen in der Politik. Die Organisation konnte durch Lobbyarbeit eine deut- liche Erhöhung staatlicher Kompensationszahlungen erreichen. Diese sollen die Betroffenen bei ihrem neuen Leben in Freiheit unterstützen.

Für all diese Arbeit erhält Jeevika keine staatliche Unterstützung, sondern wird ausschließlich durch internationale Geberorganisationen und Einzelspenden unterstützt. Doch was hat Schuldknechtschaft in Indien mit uns in Deutschland zu tun? Ob Grabsteine oder Küchenplatten aus indischen Steinbrüchen, Textilien, Sportbälle oder Feuerwerkskörper – hinter vielen dieser Produkte, die auf dem europäischen Markt landen, stecken menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen. Nicht selten auch Schuldknechtschaft.

Öffentliche Shalompreisverleihung 2024
9. Juni 2024

16 Uhr

Holzersaal der Sommerresidenz (Ostenstraße 26)

Eichstätt

Öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Preisträger

10. Juni

19:30 Uhr

Marktplatz 7

Eichstätt

Helfen durch Spenden

Das Preisgeld wird ausschließlich durch Spenden zusammengetragen. Daher freuen wir uns sehr, wenn Sie etwas zum diesjährigen Shalompreis beitragen möchten.

Bitte überweisen Sie Ihre Spende an (Achtung: Neue IBAN!):
Diözese Eichstätt (KdöR) – Spendenkonto
IBAN: DE 52 7509 0300 0007 6521 00

Verwendungszweck: AK Shalom, Spendername, Adresse, Ort (Spendenquittung ja/nein)