Pressemitteilung: Shalompreis 2026 für afghanische Frauenrechtsaktivistin – Feierliche Verleihung in Eichstätt

2026: AK Shalom Preisverleihung

Eichstätt. Der Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat den traditionsreichen Shalompreis an Humaira Rasuli verliehen. Die afghanische Menschenrechtsaktivistin und Anwältin nahm die Auszeichnung am Sonntag in Eichstätt entgegen. Rasuli setzt sich unermüdlich dafür ein, dass Taten geschlechtsspezifischer Gewalt geahndet, Hindernisse für die Beschäftigung von Frauen beseitigt und Unterstützungsnetzwerke für Frauen in Not geschaffen werden.

Bei der feierlichen Verleihung würdigte die bekannte Frauenrechtsaktivistin Dr. Monika Hauser die Preisträgerin mit einer Laudatio. Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für die Menschenrechtssituation in Afghanistan, Richard Bennet, sprach ein Grußwort.

Der Schirmherr der Shalomaktion, OB Josef Grienberger, wies darauf hin, dass ehemalige Ortskräfte aus Afghanistan und ihre Familien in Eichstätt lebten und die Stadtgesellschaft bereicherten. Auch betonte er, die Freiheiten und Möglichkeiten der Partizipation, die in Deutschland existierten. Der Leiter des Referats Weltkirche des Bistums Eichstätt, Dr. Gerhard Rott, fand lobende Worte für das nun schon Jahrzehnte andauernde Engagement der Mitglieder des Arbeitskreises. Er unterstrich, dass Rasulis mutige Arbeit verdeutliche, wie wertvoll Bildung sei. Das Referat Weltkirche ist neben dem Rotary Club Eichstätt und der privaten Oswald-Stiftung einer der institutionellen Spender. Alle übrigen Spenden kommen von Privatpersonen. Für die Katholische Universität sprach die Vorsitzende des Hochschulrates, Barbara Loos ein Grußwort.

In ihrer Dankesrede erklärte Humaira Rasuli: „Die Extremisten in Afghanistan haben den Islam gekapert und für ihre Zwecke missbraucht.  Aber nach dem Islam haben Frauen die gleichen Rechte. Frauen dürfen arbeiten, studieren und Regierungsverantwortung übernehmen. Wir möchten, dass die internationale Gemeinschaft ihren Einfluss geltend macht und die Taliban zur Verantwortung zieht und sie an internationales Recht erinnert. Afghanistan darf nicht ein zweites Mal die einzige Nation in der Welt sein, die Mädchen und Frauen das Recht auf Bildung verweigert.“ Denn Bildung sei der Schlüssel zu nachhaltiger Entwicklung.

Dr. Monika Hauser rief in ihrer Laudatio eindringlich dazu auf, die Situation der Frauen und Mädchen in Afghanistan nicht zu vergessen. Rasuli sei nicht nur eine Juristin, Aktivistin oder Führungspersönlichkeit, sondern „eine Frau, die in einer der schwierigsten Realitäten unserer Zeit immer wieder die Entscheidung getroffen hat, nicht wegzusehen, sondern Verantwortung zu übernehmen.“ Die feierliche Verleihung dürfe nicht mit Bewunderung enden, sondern mit Verantwortung. „Wir können diese Arbeit unterstützen, wir können politisch Druck machen. Laut Medienberichten sind für Mitte Juni Verhandlungen zwischen Taliban-Vertretern und der EU geplant, sprich, die EU hat die Taliban nach Brüssel eingeladen.“  Statt Menschenrechte und die eigenen EU-Normen durchzusetzen, damit dieses Regime völkerstrafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne, könnten die Taliban diese Verhandlungen als Druckmittel einsetzen, um Abschiebungen nach Afghanistan zu ermöglichen, so Hauser. Als Gründerin der Frauenrechtsorganisation medica mondiale arbeitet Hauser schon seit Jahrzehnten mit der Shalompreisträgerin zusammen.

Der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für die Menschenrechtssituation in Afghanistan, Richard Bennet, betonte in einer Video-Botschaft die dramatische Situation in Afghanistan, insbesondere für Frauen, LGBTQ-Personen und Menschenrechtsaktivist:innen. „Der Shalompreis würdigt nicht nur ihre bemerkenswerten Errungenschaften, sondern auch den Mut unzähliger Afghaninnen, die unermüdlich und friedlich für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Menschenrechte unter außergewöhnlich herausfordernden Umständen kämpfen“, erklärte er.

„Humaira Rasuli beeindruckt durch ihren Mut, ihre klare Haltung und ihren beharrlichen Einsatz für Gerechtigkeit“, erläuterte Ulrike Schurr-Schöpfel, Sprecherin des Arbeitskreises, die Entscheidung für die diesjährige Preisträgerin. „Gerade in einer Zeit, in der Frauen in Afghanistan systematisch entrechtet werden und gleichzeitig hier in Deutschland über Abschiebungen in dieses Land diskutiert wird, möchten wir mit dem Preis ein Zeichen der Solidarität setzen.“

Aus dem Exil leitet Rasuli eine Organisation, die mit einem Team aus psychosozialen Beraterinnen derzeit in mehreren Provinzen Afghanistans wirkt. Dort bietet sie Unterstützung für Frauen und Mädchen an, die unter den Folgen von Gewalt, Trauma und schwierigen Lebensbedingungen leiden. In Beratungszentren erhalten Betroffene individuelle und gruppenbasierte Begleitung. Ziel ist es, Frauen dabei zu helfen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihre psychische Stabilität zu stärken. Darüber hinaus begleitet die Organisation Frauen auch während medizinischer Behandlungen in Krankenhäusern und unterstützt sie in akuten Krisensituationen.

Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 hat sich die Situation für Frauen und Mädchen in Afghanistan drastisch verschlimmert. Sie werden systematisch aus Bildung, Beruf und öffentlichem Leben ausgeschlossen; ihre Bewegungsfreiheit und grundlegenden Selbstbestimmungsrechte sind massiv eingeschränkt. Der Einsatz für Frauenrechte in Afghanistan ist darum gefährlicher und zugleich dringlicher denn je.

Der Shalompreis wird seit 45 Jahren an Menschenrechtsprojekte weltweit vergeben. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich. In den vergangenen Jahren konnten jeweils rund 30.000 Euro an Spenden gesammelt werden. Damit zählt der Shalompreis zu den höchstdotierten zivilgesellschaftlich vergebenen Menschenrechtspreisen in Europa.

Kontakt:
Arbeitskreis Shalom für Gerechtigkeit und Frieden
www.ak-shalom.org
ak-shalom@posteo.de